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Synology Drive vs. Nextcloud: welche eigene Cloud passt?

26.07.2026 7 Min. Lesezeit Von Christoph Mühlgassner, UEWA-zertifiziert

Wer die eigene Cloud statt eines Abo-Dienstes wie Dropbox oder Google Drive will, landet früher oder später bei zwei Namen: Synology Drive und Nextcloud. Beide versprechen dasselbe Ziel, Dateien zentral speichern, synchronisieren und teilen, ohne die Daten bei einem fremden Anbieter abzugeben. Der Weg dorthin unterscheidet sich aber grundlegend.

Dieser Artikel vergleicht beide Systeme sachlich, ohne eines schlechtzureden. Am Ende hängt die richtige Wahl vor allem davon ab, ob dein Unternehmen ein eigenes IT-Team hat oder nicht.

Zwei unterschiedliche Wege zur eigenen Cloud

Nextcloud ist eine quelloffene Software, die du auf einem eigenen Server oder virtuellen Server (VPS) installierst. Die Software selbst ist kostenlos und wird unter der AGPL-Lizenz entwickelt, damit lässt sie sich frei nutzen, anpassen und erweitern. Über ein umfangreiches App-Ökosystem lassen sich Kalender, Aufgabenverwaltung, Videokonferenzen, Office-Bearbeitung und viele weitere Funktionen nachrüsten. Nextcloud ist damit weniger ein einzelnes Produkt als ein Baukasten, den du dir selbst zusammenstellst.

Synology Drive ist dagegen kein eigenständiges Produkt, sondern eine Funktion, die auf jedem Synology NAS mitläuft. Es gibt keine separate Installation, keine getrennte Serverwartung, keine Update-Verwaltung losgelöst vom NAS. Sync, Versionierung, Team-Ordner und Freigaben sind direkt Teil des Systems, das gleichzeitig auch als zentraler Speicher und Backup-Ziel dient.

Der Unterschied lässt sich so zusammenfassen: Nextcloud gibt dir maximale Flexibilität, aber die Verantwortung für Betrieb und Pflege liegt bei dir. Synology Drive gibt dir weniger Baukasten-Freiheit, dafür ein System aus einem Guss mit deutlich weniger Pflegeaufwand.

Was beide Systeme gemeinsam haben

Bevor es an die Unterschiede geht, lohnt sich der Blick auf die Gemeinsamkeit, die beide von Dropbox, OneDrive oder Google Drive abhebt: Datenhoheit. Sowohl bei Nextcloud als auch bei Synology Drive bleiben die Dateien auf einem Server oder Gerät, das dem Unternehmen selbst gehört oder das es zumindest genau benennen kann. Es gibt keinen Fremdanbieter, der theoretisch Zugriff auf die Rohdaten hat, und keine Frage, in welchem Land die Daten physisch liegen.

Für die DSGVO-Dokumentation bedeutet das in beiden Fällen weniger Aufwand als bei einem US-Cloud-Anbieter, weil Speicherort und Verantwortlichkeit eindeutig geklärt sind. Der Unterschied zwischen den beiden Systemen liegt also nicht in der grundsätzlichen Idee, sondern ausschließlich darin, wie viel Aufwand es kostet, diese Idee im Alltag am Laufen zu halten.

Nextcloud: Open Source, flexibel, aber mit Verantwortung

Der große Vorteil von Nextcloud ist die Offenheit. Weil der Code öffentlich einsehbar ist, gibt es keine Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller, und Unternehmen mit eigenem IT-Team können das System bis ins Detail an ihre Prozesse anpassen. Wer bereits Server-Infrastruktur und Personal für deren Betrieb hat, kann Nextcloud in bestehende Abläufe integrieren.

Die Kehrseite: die Software ist kostenlos, der Betrieb ist es nicht. Laut Nextcloud selbst gibt es keinen eigenen Hosting-Service für kleinere Unternehmen, offizielle Enterprise-Subscriptions mit Herstellersupport starten erst ab 100 Nutzern, gestaffelt zwischen rund 69 und 205 Euro pro Nutzer und Jahr je nach Support-Level. Für Unternehmen unter dieser Schwelle bleiben zwei Optionen: Nextcloud komplett in Eigenregie betreiben, oder einen Drittanbieter für gehostetes Nextcloud beauftragen.

Beim Eigenbetrieb kommen laufend Aufgaben dazu: Server oder VPS bereitstellen und bezahlen, das Betriebssystem und Nextcloud selbst aktuell halten, Sicherheitslücken zeitnah schließen, eigene Backups des Servers einrichten, und im Zweifel nachts einen Ausfall beheben. Ohne eigenes IT-Team bindet das entweder viel Zeit der Geschäftsführung oder erfordert einen externen Dienstleister, der genau diese Aufgaben im Rahmen einer laufenden Wartung & Betreuung übernimmt, was wiederum laufende Kosten bedeutet.

Synology Drive: aus einem Guss, wenig Pflegeaufwand

Synology Drive verfolgt den gegenteiligen Ansatz. Statt Software und Infrastruktur getrennt zu verwalten, ist alles Teil eines Geräts. Updates für Synology Drive laufen über das DSM-Betriebssystem des NAS und lassen sich zentral und automatisiert einspielen. Es gibt keinen separaten Server, um den man sich kümmern müsste, und keine App-Kombination, die erst zusammenpassen muss.

Dafür ist Synology Drive an die NAS-Hardware gebunden. Du kannst die Software nicht getrennt von einem Synology-Gerät betreiben, und der Funktionsumfang orientiert sich an dem, was Synology dafür vorgesehen hat, nicht an einem offenen App-Marktplatz wie bei Nextcloud. Wer sehr spezifische Individualfunktionen braucht, etwa tiefgehende Workflow-Automatisierung oder Anbindungen an sehr spezielle Drittsysteme, stößt hier eher an Grenzen als mit Nextcloud.

Für die Kernaufgabe der meisten KMU, also Dateien zentral speichern, synchron halten, sicher freigeben und automatisch sichern, deckt Synology Drive das ab, ohne dass jemand im Unternehmen zum Server-Administrator werden muss.

Vergleichstabelle: Synology Drive vs. Nextcloud

KriteriumSynology DriveNextcloud
KostenmodellTeil der NAS-Investition, keine separate SoftwarelizenzSoftware kostenlos, Hosting/Betrieb separat zu kalkulieren
WartungsaufwandGering, Updates über DSM zentral verwaltetServer, Updates und Sicherheitspatches in eigener Verantwortung
App-ÖkosystemFokussiert auf Datei-Sync, Freigabe, Backup-IntegrationSehr breit: Kalender, Office, Talk, Workflows, viele Erweiterungen
BerechtigungenTeam-Ordner mit klaren Rollen, direkt im NAS integriertSehr granular konfigurierbar, mehr Einstellungsaufwand
Backup-IntegrationDirekt mit Active Backup for Business auf demselben GerätBackup des Nextcloud-Servers muss separat aufgebaut werden
FlexibilitätAn Synology-Hardware gebundenFrei hostbar, hoch anpassbar
Geeignet fürKMU ohne eigenes IT-TeamUnternehmen mit eigenem IT-Team oder externem Hosting-Partner

Für wen passt Nextcloud?

Nextcloud ist die richtige Wahl für Unternehmen, die entweder ein eigenes IT-Team haben, das Server-Betrieb, Updates und Sicherheit selbst übernehmen kann, oder die bewusst einen spezialisierten Managed-Hosting-Anbieter für Nextcloud beauftragen wollen. Auch wer sehr spezifische Anforderungen an Erweiterbarkeit hat, etwa eine tiefe Integration in bestehende Individualsoftware, profitiert von der Offenheit des Systems.

Für wen passt Synology Drive?

Synology Drive passt zu Unternehmen, die eine eigene Cloud wollen, aber nicht zusätzlich einen Server verwalten wollen oder können. Läuft im Betrieb ohnehin bereits ein NAS als zentraler Speicher und Backup-Ziel, ist Synology Drive de facto kostenlos mit dabei, es muss nur aktiviert und eingerichtet werden. Das macht es besonders für Unternehmen mit 5 bis 30 Mitarbeitern attraktiv, die eine funktionierende Lösung wollen, ohne dafür Server-Administration zu lernen.

Eine kurze Checkliste zur Entscheidung

Wenn du dir noch unsicher bist, helfen diese Fragen bei der Einordnung:

  • Hast du ein eigenes IT-Team oder festen externen Dienstleister für Serverbetrieb? Wenn ja, ist Nextcloud eine ernsthafte Option. Wenn nein, spricht das für Synology Drive.
  • Brauchst du zwingend sehr spezifische Erweiterungen, etwa eigene Workflow-Automatisierung oder Anbindung an Individualsoftware? Dann bietet Nextcloud mehr Spielraum.
  • Soll die Cloud-Funktion mit Speicher und Backup aus einem Gerät kommen? Dann ist Synology Drive der direktere Weg, weil es ohnehin Teil des NAS ist.
  • Wie viel Zeit willst du realistisch in laufende Wartung investieren? Bei Nextcloud in Eigenregie ist das ein wiederkehrender Posten, bei Synology Drive deutlich geringer.

Keine dieser Fragen hat eine falsche Antwort, sie zeigen nur, wohin die Entscheidung für dein Unternehmen tendiert.

Warum die meisten KMU ohne IT-Team mit Synology besser fahren

Für die Zielgruppe, um die es hier geht, kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung, ist der entscheidende Faktor selten die maximale Funktionstiefe, sondern der laufende Aufwand. Ein System, das ständig Aufmerksamkeit braucht, verursacht in der Praxis versteckte Kosten: entweder bindet es Zeit der Geschäftsführung, oder es erfordert einen Dienstleister, der genau diese Aufgabe dauerhaft übernimmt.

Synology Drive reduziert diesen Aufwand, weil Speicher, Sync, Backup und Update-Management aus einer Hand kommen. Das ist kein Werturteil gegen Nextcloud als Software, sondern eine praktische Einschätzung: wer die Kapazität für eigenen Serverbetrieb hat, kann mit Nextcloud sehr viel erreichen. Wer diese Kapazität nicht hat, bekommt mit Synology Drive eine Lösung, die ohne zusätzliches Personal auskommt.

Wer sich zusätzlich für die Backup-Seite interessiert, findet im Artikel zur 3-2-1-Regel für Datensicherung eine ausführliche Erklärung, wie sich das mit Synology Drive und Active Backup for Business kombinieren lässt. Und wer aktuell noch mit Dropbox arbeitet, findet im Vergleich Synology Drive statt Dropbox einen konkreten Kostenvergleich über drei Jahre.

Kombinieren statt entscheiden: Nextcloud auf Synology-Hardware

Für Unternehmen, die unbedingt den App-Reichtum von Nextcloud wollen, aber trotzdem auf Synology-Hardware setzen möchten, gibt es einen dritten Weg: Nextcloud lässt sich über Docker oder eine virtuelle Maschine direkt auf einem Synology NAS betreiben. Damit bekommst du das breite Nextcloud-App-Ökosystem und gleichzeitig die Hardware-Zuverlässigkeit von Synology.

Der Pflegeaufwand bleibt dabei aber bestehen, denn innerhalb des Docker-Containers oder der VM ist weiterhin Nextcloud die Software, die du selbst aktuell halten musst, unabhängig vom DSM-Betriebssystem des NAS. Diese Kombination lohnt sich vor allem für technisch versierte Teams, die gezielt einzelne Nextcloud-Funktionen nutzen wollen, aber nicht als Standardweg für ein KMU ohne IT-Team.

Fazit

Synology Drive und Nextcloud lösen dasselbe Grundproblem auf unterschiedliche Art. Nextcloud bietet maximale Offenheit und Anpassbarkeit, verlangt dafür aber laufende Serverpflege, entweder selbst oder über einen bezahlten Partner. Synology Drive bringt weniger Baukasten-Freiheit mit, dafür ein System, das direkt mit der NAS-Hardware läuft und ohne separaten Serverbetrieb auskommt. Für die meisten KMU ohne eigenes IT-Team ist genau das der entscheidende Punkt: eine Lösung, die läuft, statt eine, die verwaltet werden muss.

Geschrieben von Christoph Mühlgassner UniFi Enterprise Wireless Admin (UEWA) · Harrison Networks, Eisenstadt · Zuletzt aktualisiert am 26.07.2026
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Häufige Fragen

Was kostet Nextcloud im Vergleich zu Synology Drive?

Die Nextcloud-Software selbst ist als Community-Version kostenlos, offiziellen Enterprise-Support gibt es aber erst ab 100 Nutzern, gestaffelt zwischen rund 69 und 205 Euro pro Nutzer und Jahr. Für kleinere Unternehmen bleibt entweder Eigenbetrieb ohne Herstellersupport oder ein Drittanbieter für gehostetes Nextcloud. Synology Drive läuft dagegen ohne separate Softwarelizenz auf dem NAS mit.

Ist Nextcloud wirklich kostenlos?

Die Software ja, der Betrieb nicht automatisch. Ein Server oder eine VPS-Instanz, Updates, Sicherheitspatches und laufende Administration kosten entweder Zeit oder Geld, je nachdem ob du selbst hostest oder einen Managed-Anbieter beauftragst.

Wer kümmert sich um Updates und Sicherheitslücken?

Bei einer selbst gehosteten Nextcloud-Installation bist du oder dein Dienstleister dafür verantwortlich, Updates zeitnah einzuspielen. Bei Synology Drive laufen Sicherheitsupdates über das DSM-Betriebssystem des NAS, zentral verwaltet und mit deutlich geringerem laufendem Aufwand.

Lässt sich Nextcloud auch auf einem Synology NAS betreiben?

Technisch ist das möglich, über Docker oder eine virtuelle Maschine auf dem NAS. Damit kombinierst du zwar die Nextcloud-Funktionen mit der NAS-Hardware, verlierst aber einen Teil der Einfachheit, weil du Nextcloud dann trotzdem selbst pflegen und aktuell halten musst.

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