Netzwerk bei Neubau oder Umzug: von Anfang an richtig planen
Ein Neubau oder ein Umzug ist einer der wenigen Momente, in denen du dein Netzwerk wirklich von Grund auf neu planen kannst. Sobald die Wände verputzt sind oder der Mietvertrag im neuen Büro unterschrieben ist, wird jede Nachbesserung an der Verkabelung aufwendig und sichtbar. Genau deshalb lohnt es sich, das Thema vor dem ersten Spatenstich oder Umzugstermin anzugehen, nicht danach. Wer die Netzwerkplanung parallel zur Bauplanung mitdenkt, spart sich später Stemmarbeiten, Kabelkanäle an der Wand und teure Zusatztermine.
Warum die Bauphase der beste Zeitpunkt für die Netzwerkplanung ist
In der Rohbauphase liegen die Wände offen, Leerrohre lassen sich frei verlegen und jede zusätzliche Dose kostet kaum mehr als ein paar Meter Kabel. Sobald verputzt, gefliest oder der Estrich gegossen ist, ändert sich das schlagartig. Eine vergessene LAN-Dose bedeutet dann Stemmarbeiten, Staub, einen sichtbaren Kabelkanal an der Wand oder im schlechtesten Fall eine WLAN-Notlösung, die eigentlich nicht geplant war.
Bei strukturierter Verkabelung empfiehlt sich heute durchgehend Cat6a, weil die Kategorie 10-Gigabit-Übertragung über die volle Länge von 100 Metern zuverlässig unterstützt und auch für künftige WLAN-Access-Points mit hohem Strombedarf über PoE ausreichend Reserven bietet. Cat6-Kabel schaffen 10 Gigabit oft nur auf deutlich kürzeren Strecken. Die genauen Unterschiede zwischen den gängigen Verkabelungsnormen erklärt ein Vergleich der Standards ANSI/TIA-568, ISO/IEC 11801 und EN 50173 von FS.com.
Wichtig dabei: Netzwerkkabel gehören genauso in die frühe Elektroplanung wie Steckdosen oder Lichtschalter. Ein praxisnaher Leitfaden zur Netzwerkverkabelung im Neubau empfiehlt, mindestens zwei Netzwerkdosen pro Raum einzuplanen und alle Kabel sternförmig zu einem zentralen Verteilerpunkt zu führen, statt Räume seriell zu verketten.
So läuft die Planung Schritt für Schritt ab
Eine saubere Netzwerkplanung folgt immer derselben Reihenfolge, egal ob du neu baust, einen Altbau sanierst oder in ein bestehendes Büro umziehst.
Anforderungen erheben: Arbeitsplätze, Geräte, Wachstum
Am Anfang steht eine einfache Frage: wie viele Arbeitsplätze, Drucker, Kameras und sonstige Netzwerkgeräte wird es geben, wenn das Gebäude fertig ist? Zähl nicht nur den aktuellen Stand, sondern auch geplantes Wachstum für die nächsten drei bis fünf Jahre mit. Ein Unternehmen mit 12 Mitarbeitern heute plant oft schon für 18 oder 20, wenn ein zusätzliches Stockwerk oder eine Erweiterung absehbar ist.
Auch Sondergeräte gehören in diese Liste: Etikettendrucker in der Produktion, ein Kassensystem im Verkaufsraum, IP-Telefone oder eine Ladestation mit eigener Netzwerkanbindung. Jedes dieser Geräte braucht später einen Anschluss, der jetzt am günstigsten einzuplanen ist.
Auch die Art der Fläche spielt eine Rolle. Ein reines Büro braucht eine andere Verteilung an Anschlusspunkten als eine Lagerhalle mit wenigen, aber weit auseinanderliegenden Netzwerkdosen für Scanner oder Flurförderzeuge. Wer diese Unterschiede schon bei der Anforderungserhebung festhält, vermeidet später einen überdimensionierten oder zu knapp bemessenen Technikraum.
Doppelte LAN-Dosen statt einer pro Arbeitsplatz
Ein einzelner LAN-Anschluss pro Schreibtisch klingt ausreichend, ist es in der Praxis aber selten. Sobald ein zweiter Bildschirm, eine Dockingstation oder ein zusätzliches Gerät dazukommt, fehlt die Reserve. Zwei LAN-Dosen pro Arbeitsplatz sind der pragmatische Standard, den wir bei der Netzwerk-Installation empfehlen, auch wenn anfangs nur eine davon belegt ist.
Die zweite Dose kostet in der Rohbauphase kaum mehr, weil das Leerrohr ohnehin schon verlegt wird. Nachträglich eine zweite Leitung zu ziehen, ist dagegen ein eigener Termin mit eigenen Kosten.
Ein zentraler Technikraum mit Strom und Kühlung
Alle Netzwerkkabel laufen an einem Punkt zusammen: dem Technikraum oder Netzwerkschrank. Dieser Raum braucht mehr als nur Platz. Er braucht eine eigene Stromversorgung mit ausreichend Steckdosen, im Idealfall auf einer eigenen Sicherung, und eine Möglichkeit zur Kühlung oder zumindest zur Luftzirkulation, weil Switches und Router im Dauerbetrieb Wärme erzeugen.
Ein fensterloses Besenkammerl ohne Lüftung mag als Notlösung reichen, ist aber auf Dauer keine gute Wahl. Wie ein Netzwerkschrank sinnvoll aufgebaut wird, inklusive Verkabelung und Beschriftung, erklären wir im Beitrag zum Netzwerkschrank richtig einrichten.
WLAN-Access-Point-Standorte von Anfang an mitplanen
WLAN wird bei der Bauplanung oft komplett vergessen, weil es unsichtbar ist. Das rächt sich später: Access Points brauchen eine Stromversorgung, meist per PoE also Strom über das Netzwerkkabel, und einen Standort mit möglichst freier Sicht in den Raum, nicht versteckt in einer Zwischendecke aus Metallprofilen.
Empfohlen wird die Deckenmontage, weil Access Points von dort gleichmäßiger senden und weniger durch Möbel oder Trennwände blockiert werden. Genauere Hinweise zur richtigen Montage liefert ein Fachartikel zur Access-Point-Montage von Computerwoche. Wer die möglichen AP-Standorte schon beim Bau mit Leerrohr und Netzwerkdose vorbereitet, spart sich später eine sichtbar aufgesetzte Kabelverlegung an der Decke. Eine WLAN-Ausleuchtung zeigt schon vor dem Einzug, wie viele Access Points wo stehen sollten.
Kameras und Zutrittskontrolle gleich mitdenken
Wenn Videoüberwachung oder eine elektronische Zutrittskontrolle ohnehin geplant sind, gehören auch sie in dieses frühe Stadium. Kamerapositionen an Eingängen, Lagerbereichen oder im Außenbereich brauchen eigene Netzwerkdosen und meist eine Stromversorgung per PoE. Dasselbe gilt für Türöffner und Zutrittsleser bei einer Zutrittskontrolle.
Wird das erst nach dem Einzug entschieden, enden viele dieser Projekte mit sichtbaren Aufputzkabeln an frisch verputzten Wänden. Wer Videoüberwachung plant, sollte das spätestens beim Baugespräch ansprechen, auch wenn die Kameras erst später montiert werden.
Elektriker und Netzwerktechniker: wer übernimmt was
Bei einem Neubau arbeiten meistens zwei Gewerke zusammen, und die Aufgabenteilung ist vielen Bauherren nicht klar.
Der Elektriker verlegt die Leerrohre, zieht die Starkstromleitungen und setzt die Unterputzdosen für Strom und Netzwerk. Er arbeitet nach einem Plan, den er meistens nicht selbst erstellt, sondern von der Bauleitung oder vom Netzwerktechniker bekommt.
Der Netzwerktechniker plant die Struktur: wie viele Dosen wo, wie groß der Technikraum sein muss, welche Kabelkategorie verwendet wird und wie später die aktive Technik, also Switches, Router und Access Points, konfiguriert wird. Nach dem Rohbau übernimmt er die aktive Verkabelung und die komplette Einrichtung des UniFi-Netzwerks.
Ohne Abstimmung zwischen beiden passiert häufig dasselbe: Der Elektriker legt Leerrohre nach eigenem Ermessen, meist eine Dose pro Raum, und der Netzwerktechniker muss Monate später mit dieser Vorgabe arbeiten, egal ob sie ausreicht oder nicht. Ein kurzes gemeinsames Gespräch vor dem Verlegen der Leerrohre verhindert das.
In der Praxis reicht dafür oft ein gemeinsamer Termin direkt auf der Baustelle, bei dem Grundriss und Leerrohrplan zusammen durchgegangen werden. Das kostet eine Stunde, ist aber deutlich günstiger als jede Korrektur, die erst nach dem Verputzen auffällt.
Typische Fehler bei Neubau und Umzug
Manche Fehler wiederholen sich bei fast jedem Projekt, das wir übernehmen, nachdem der Bau schon fertig ist.
Zu wenige LAN-Dosen: Eine Dose pro Raum reicht selten, sobald mehr als ein Gerät angeschlossen werden soll. Die Nachrüstung ist dann nur noch über Aufputzkabel oder zusätzliche Switches am Arbeitsplatz möglich.
Kein dedizierter Technikplatz: Der Netzwerkschrank landet im Lager neben der Heizung oder in einer Besenkammer ohne Steckdose. Das führt zu Überhitzung, schlechter Erreichbarkeit bei Wartungsarbeiten und einem unübersichtlichen Kabelsalat.
WLAN als nachträglicher Gedanke: Access Points werden erst montiert, wenn die Mitarbeiter schon eingezogen sind und sich über schlechten Empfang beschweren. Zu diesem Zeitpunkt ist jede Kabelverlegung sichtbar, weil die Wände längst fertig sind.
Fehlende Reserve für Wachstum: Wird nur für den aktuellen Stand geplant, reicht die Infrastruktur oft schon nach ein bis zwei Jahren nicht mehr, wenn das Team wächst oder ein weiterer Raum dazukommt.
Auch beim Umzug ohne Neubau lohnt sich die Vorplanung
Nicht jeder Umzug bedeutet einen Neubau. Oft zieht ein Unternehmen in ein bestehendes Bürogebäude oder eine bereits gebaute Halle, die vorher schon einen anderen Mieter hatte. Auch hier gibt es ein Zeitfenster, das sich nutzen lässt: die Phase zwischen Vertragsunterschrift und Einzug, in der Maler, Bodenleger und andere Gewerke ohnehin im Gebäude sind.
Bevor Möbel und Mitarbeiter einziehen, lässt sich noch relativ unkompliziert klären, ob die vorhandene Verkabelung ausreicht oder ob zusätzliche Leerrohre und Dosen sinnvoll sind. Wurde die Immobilie vorher schon strukturiert verkabelt, reicht oft eine Prüfung des bestehenden Netzwerkschranks und eine Ergänzung der WLAN-Standorte. Fehlt eine brauchbare Vorverkabelung komplett, lohnt sich zumindest eine kurze Abstimmung mit dem Vermieter, ob Kabelwege noch offen liegen dürfen, bevor der Boden verlegt oder die letzte Wand gestrichen wird.
Der Unterschied zum Neubau ist vor allem der Zeitdruck. Bei einem Mietobjekt steht meist ein fixer Übergabetermin, an dem das Netzwerk stehen muss. Wer die Planung erst in der letzten Woche vor dem Umzug beginnt, landet fast automatisch bei einer improvisierten Lösung statt bei einer sauber geplanten Struktur.
Checkliste fürs Baugespräch
Diese Punkte solltest du beim Termin mit Elektriker oder Planer konkret ansprechen, bevor die Leerrohre verlegt werden.
| Thema | Frage an den Elektriker oder Planer |
|---|---|
| Leerrohre | Werden für Netzwerkkabel eigene, ausreichend dimensionierte Leerrohre verlegt, getrennt von den Starkstromleitungen? |
| LAN-Dosen pro Raum | Sind pro Arbeitsplatz mindestens zwei Dosen eingeplant, inklusive Reserve für Wachstum? |
| Technikraum | Gibt es einen eigenen Raum oder Schrank mit Stromanschluss auf eigener Sicherung und Luftzirkulation? |
| Kabelwege zum Technikraum | Laufen alle Leitungen sternförmig zu einem zentralen Punkt, statt seriell durch mehrere Räume? |
| WLAN-Standorte | Sind Deckenpositionen für Access Points mit Netzwerkdose und PoE-Versorgung vorgesehen? |
| Kameras und Zutritt | Werden Netzwerkdosen an geplanten Kamera- und Türpositionen mitverlegt? |
| Kabelkategorie | Wird durchgehend Cat6a verlegt, auch wenn aktuell noch Cat6-Geräte im Einsatz sind? |
Fazit
Ein Neubau oder Umzug kommt selten öfter als alle paar Jahrzehnte vor. Genau deshalb ist die Bauphase der günstigste und unkomplizierteste Moment, um das Netzwerk richtig aufzusetzen: mit ausreichend LAN-Dosen, einem durchdachten Technikraum und von Anfang an geplanten WLAN-Standorten, statt später nachzubessern.
Wer Elektriker und Netzwerktechniker früh genug an einen Tisch holt, spart sich Stemmarbeiten, sichtbare Kabelkanäle und Kompromisse, mit denen man dann jahrelang lebt. Und weil UniFi ohne laufende Lizenzkosten funktioniert, fließt die Investition direkt in Hardware, die mit deinem Unternehmen mitwächst.
Planst du gerade einen Neubau, eine Sanierung oder einen Umzug im Burgenland, in Niederösterreich oder in Wien? Jetzt unverbindlich anfragen und die Netzwerkplanung von Anfang an mitdenken, bevor der erste Kabelkanal verlegt wird.